„Übergangszeit“ für Reha?

Eigentlich wollte Karin Hosse ja beruflich etwas kürzertreten. Die studierte Ingenieurin und Mutter von zwei Söhnen (7 und 13 Jahre alt) wollte sich mehr um die Familie kümmern und, wie sie sagt, „heimatnäher arbeiten“. Deshalb gab sie 2020 ihren Job bei einem großen Unternehmen in Fürstenfeldbruck auf und wechselte in Teilzeit als Verwaltungsleiterin für den Gesundheits- und Bäderpark zu den Peißenberger Gemeindewerken. Verwaltungsleiterin ist Hosse immer noch, aber inzwischen ist ein weiterer Posten hinzugekommen – nämlich der als Geschäftsführerin des ambulanten Therapiezentrums für Erkrankungen des muskuloskelettalen Systems „Prävention-Rehabilitation-Oberland“ (PRO).

Wie berichtet, hatten die Gemeindewerke und die Krankenhaus GmbH des Landkreises als PRO-Gesellschafter im April dem bisherigen Reha-Chef Reinhard Huber das Vertrauen entzogen. Der Gesundheitsökonom war einer der Ideengeber für die Einrichtung der Tagesklinik im Rigi Rutsch’n-Betriebsgebäude. Aber bei der praktischen Umsetzung hakte es. Die im Masterplan vorgesehene Zulassung der Reha durch die Deutsche Rentenversicherung wurde noch nicht erteilt. Die Tagesklinik schreibt rote Zahlen. Die wirtschaftliche Situation veranlasste die Gesellschafter schließlich zu einem personellen Wechsel – und dabei fiel die Wahl auf Hosse.

Die 49-Jährige, die sich im Gespräch mit der Heimatzeitung eloquent, überlegt und strukturiert präsentiert, hat ihr zeitliches Arbeitspensum aufgestockt. „Die neue Rolle fordert natürlich mehr. Bislang war ich eher begleitend tätig“, erklärt sie. Die Geschäftsführung für die Reha und die Verwaltungsleitung für den gesamten Bäderpark erledigt Hosse in Personalunion. Für sie ist die Doppelfunktion nur logisch: „Man muss den Standort Rigi Rutsch’n ganzheitlich sehen.“ Mit der Umbenennung in „Gesundheits- und Bäderpark“ habe man sich ganz bewusst für eine Image-Richtung entschieden. Die Abläufe zwischen der Reha und dem Bad müssten nun entsprechend koordiniert werden. Auch was die anstehenden Investitionen in die Rigi Rutsch’n anbelangt, sei eine enge Verzahnung notwendig.

Hosse will als Geschäftsführerin der Reha eher im Hintergrund arbeiten. „Im Zentrum steht das medizinische Team um Dr. Uwe Bellinghoven“, betont sie ausdrücklich. Die Aufgabe macht ihr bislang „sehr viel Spaß“ – trotz der wirtschaftlichen Lage.

Ein „großer Knackpunkt“, wie Hosse einräumt, ist die fehlende Zulassung durch die Rentenversicherung. Die würde der PRO-Tagesklinik vermutlich eine permanent hohe Auslastung bescheren und die Patientengruppe der Berufstätigen erschließen. Die Genehmigung durch die Rentenversicherung hätte mehrere Vorteile: Die Reha, die einen hohen Fixkostenanteil vor sich herschiebt, könnte zum Beispiel ihr Einzugsgebiet verkleinern und damit Transportkosten sparen. Es könnten mehr Patienten aus einem räumlich kleineren Umfeld generiert werden. Auch könnten zusätzliche Nachsorgeprogramme implementiert werden. Woran die Zulassung der Rentenversicherung bisher scheiterte? Hauptsächlich an baulichen Kriterien.

Die Versicherung bemängelte bis dato unter anderem, dass der Umkleidebereich zu klein dimensioniert ist und das Haupteingangsportal ohne automatische Türöffnung nicht den Ansprüchen der Barrierefreiheit entspricht. Außerdem würde es an einer „Lehrküche“ für die ernährungstechnische Beratung und im Hallenschwimmbecken an einem Hebelift zur Einstiegshilfe für Patienten fehlen. Das Problem für die Gemeindewerke: Die Investitionen und ein möglicher Anbau am jetzigen Standort der maroden Eishallen-Umkleidekabinen kosten Geld. Geld, das die Reha eben noch nicht erwirtschaftet. Doch es gibt inzwischen einen Hoffnungsschimmer: Wie Hosse berichtet, hat die Rentenversicherung nun in einem Schreiben erstmals die Anerkennung in Aussicht gestellt: „Bislang waren die Formulierungen immer wesentlich vorsichtiger.“ Das mögliche Szenario: Die Rentenversicherung gewährt die vorläufige Zulassung und eine „Übergangszeit“, in der sich die Reha wirtschaftlich konsolidieren und die Ausbaupläne vorantreiben soll.

„Die Rentenversicherung ist nicht der Alleinretter“, konstatiert Hosse zwar, „aber sie wäre ein wesentlicher Baustein.“ Natürlich würde man auch einen „Plan B“ schmieden. Im Fokus habe man zum Beispiel die medizinische Reha für chronische Erkrankungen. Es  gehe darum, so Hosse, vor Ort ein attraktives Angebot in der Gesundheitsbranche zu schaffen.

Doch mit oder ohne Rentenversicherung: Die von Reinhard Huber anfangs prognostizierte Gewinnmarge von 500.000 Euro im Jahr hält Hosse „aus heutiger Sicht für unrealistisch“. Man müsse stattdessen die Erwartungen „auf das Machbare zurückschrauben“ und das „medizinische Angebot für die Bevölkerung in den  Mittelpunkt rücken“.

Dr. med. Uwe Bellinghoven (Ärztlicher Leiter) und Dr. Karin Hosse (Geschäftsführerin) im MTP-Raum